Fliegenfang Neu
Die Fliege sitzt dort an der Wand
drum halt' ich drohend meine Hand,
doch diese Fliege sich nicht rührt,
bleibt weiter sitzen ungeniert.
Aber gleich wird es geschehen,
soll mir diesmal nicht entgehen,
nehm' die Klatsche für die Fliege,
in der Hoffnung, ich sie kriege.
Doch dieses kleine Fliegentier
hat ihren Spaß und ihr Plaisier,
fliegt gelassen einfach hinfort,
hin an einen anderen Ort.
Das ist die Geschicht' der Fliege
die ich einfach so nicht kriege.
Maikäfertraum Neu
Es krabbelte vergnüglich
ein Käfer durch den Mai,
wollte was erleben,
schaute beim Juni vorbei,
dort fand er sein Begehren,
die Junikäfer Frau,
war voller Bestreben,
vollzog die Maikäfer Schau,
hob das Bein ganz vorne rechts,
zeigte Zickzack Seiten,
fächerte mit Fühlern,
begann vornehm zu schreiten.
Fremd erschien's der Käferin,
flog sogleich von dannen,
traurig sah der Tänzer
wie die Träume zerrannen,
eilig flog auch er zurück,
zum Wonne Monat Mai,
suchte ihn vergebens,
der war schon lange vorbei.
Österlicher Widerstand
Ein alter Hase und ein Huhn,
die wollten diese Nacht nicht ruh‘n,
wegen der Feier und dem Spott,
ihr widerstehen mit Komplott,
denn jedes Jahr zur gleichen Zeit
verkünden Leute weit und breit,
dass die Hasen Eier legen,
nicht die Hühner in Gehegen,
trotz der Menschen eitlem Wissen
haben sie kein schlecht‘ Gewissen,
beschwindeln Kleine und auch sich
mit bunten Eiern österlich.
Der weise Hase und das Huhn,
wollen dagegen etwas tun,
erfahren soll nun jedes Kind,
dass es doch Osterlügen sind,
ließen diese Zeilen schreiben,
um den Schwindel zu vertreiben.
Nun erfuhr auch der Hahn „Kalle“,
dass zu Ostern seine Dralle
keine Eier mehr legen will,
kräht verhalten oder ist still,
und der gute alte Hase
hüpft erfreut in Waldes Grase,
mit dem Wissen, es ist vorbei,
die Ostereierfeierei.
Rattenliebe
Der Gatte
einer Ratte
saß auf einer Matte
und hatte
sich eingehüllt mit Watte
denn eine Latte
neben der Matte
erschlug seine Ratte
die der Gatte
sich ausgesucht hatte
seither sitzt der Gatte
ängstlich vor der Latte
allein auf der Matte
und trauert als Gatte
um seine geliebte Ratte
die er mal hatte.
Regenwurmleben
Ein Würmchen eilig kam gekrochen,
hörte den Vogel oben pochen,
so – als wäre
es Regen.
Dachte bei sich in dunkler Erde,
ich bleibe lieber hier und werde
nicht noch des
Vogels Beute.
Ein junger Wurm an seiner Seite,
verstand sofort – suchte das Weite,
und lernte für
das Leben.
Ein andrer wand sich mutig voran,
und wollte erst lernen irgendwann,
mal später in
den Jahren.
Drängte hinauf ganz ohne Mühe,
reichlich umsandet in der Frühe,
den Vogel es
nicht störte.
Dieser pickte und flog von dannen,
verspeiste ihn in hohen Tannen,
den dummen Wurm
bei Regen.
Froschsprung
Fröschlein
springt im Bogen
aus seinem Element
sieht vergnüglich liegen
ein Wesen ohne Hemd
Fröschlein
denkt sich im Stillen
was ist nur mit den Leuten
die sich an den Wassern
wie Ringelnattern häuten
Fröschlein
sehr verwundert
ihm sowas nicht gefällt
springt daher schweigend
zurück in seine Welt.
Stiefelmaus
(Satire)
Im Stiefel saß mal eine Maus,
es war der vom Nikolaus.
Dieser wollte bald bescheren
stillen Kinderleins Begehren.
So hob er an das große Bein,
stieg vergnügt zum Stiefel rein,
doch plötzlich hörte man den Schrei,
er rief ganz laut: „Oh wei, oh wei!
Da krabbelt was in meinem Schuh
und piepst erbärmlich immerzu!“.
Der Alte wurde sehr verstört,
hat solche Töne nie gehört,
zog schnell heraus das alte Bein,
und schwups, die Maus gleich hinterdrein,
sah den Sack dort stehn im Eck,
sprang empor ins neue Versteck.
Sehr verdattert zog der Mann
nun wieder seinen Stiefel an,
hob den Sack auf seinen Rücken,
um die Kindlein zu beglücken,
hörte just in dem Moment,
daß was piepste hinterm Hemd:
„Jetzt ist die Maus sogar im Sack,
oder‘ ne andre von dem Pack!“.
Drehte sich beständig wilder,
rief voll Not nach seiner Hilda:
„Hilf mir bitte, gutes Weib,
es krabbelt mich am ganzen Leib!“.
Es spaßte sehr dem kleinen Tier,
bald war es dort, bald war es hier,
saß überm Gürtel vorn am Bauch,
und hielt am Schenkel fest sich auch,
schlich ganz leise an das Ohr,
war vergnügt wie nie zuvor,
knabberte noch flink am Barte.
Man hörte schrill die Worte: „Warte!
Das ist des Nachbarn weiße Maus,
hab keine Angst mein Nikolaus.
Ja, das ist sie ganz genau!“,
rief entsetzt die gute Frau.
Er, erstarrt und voller Schreck,
rief erbost: „Nimm‘s Biest bloß weg!“.
Doch dieses lief von ganz alleine
mit Elan entlang dem Beine,
plumpste in den großen Schuh,
der Niklaus sah verzweifelt zu.
Wieder plagte ihn die Pein,
rief erschüttert: „Sie ist hinein
jetzt in meinen roten Socken,
wer wagt es, sie rauszulocken!“.
Nachbar Hugo mit schnellem Schritt,
ergriff die Maus und nahm sie mit.
Gejammer drang nun aus dem Haus,
es war die Angst vom Nikolaus.
Susi Mück
Die Mücke Susi
suchte ‘nen Mann
wollte vermählen
sich irgendwann
nur fand sie nie
das gute Stück
blieb Single drum
die Susi Mück.
Eierlüge
(Satire)
Im Grase liegt ein Enterich,
liegt auf Eiern sehr fürsorglich,
von weitem sieht es ein Hase,
der lang schon wartet im Grase,
sucht verzweifelt nach den Eiern
für die Osterhasenfeiern.
Der Enterich erkennt genau
des Hasen Absicht und ist schlau,
schnattert mächtig ihm entgegen,
der Hasenmann wird verlegen,
stellt senkrecht auf das Ohrenpaar,
kreischt laut in die Luft sogar,
will's Geschnatter nicht mehr hören,
ihn drum weiter nicht betören,
will auch nicht mehr weitersuchen,
flüchtet in den Wald mit Buchen.
Hatte es verstanden noch nie,
die Eierei vom Hasenvieh.
Verliebte Raupe
Es liebte mal'ne Raupe
einen schönen Vogelherrn,
wollte ihm deutlich zeigen,
daß hatte sie ihn so gern.
Ließ sich von ihm verspeisen,
gelangte dann in den Schlund,
von da aus in den Magen,
machte hier die Liebe kund.
Flattert seither wild umher
als Liebe im Vogelbauch,
wurde hier zum Schmetterling,
nun liebt der Vogel sie auch.
Glücksschweine
Wir sind die Neujahrsschweine
und sollen im nächsten Jahr
das Glück den Menschen bringen
persönlich ins Haus sogar.
Wie soll's aber geschehen
wo finden wir denn das Glück
wie sollen wir's denn greifen
im Ganzen oder per Stück?
Das konnt' uns keiner sagen
verlangens zur Jahreswend'
so einfach von uns Schweinen
haben Pfoten - keine Händ'.
Und wenn wir eines Tages
zur Schlachtbank müssen gehen
verstummen Menschenherzen
wir Schweine
haben's Glück nie gesehen.
Glockenwurm
Hoch oben in dem Kirchenturm
ängstigte sich ein Regenwurm
im Schnabel einer Krähe,
die lebte in der Nähe
und hatte stets nur im Visier
im Erdbereich das Wurmgetier.
Vor einiger Zeit war's geschehen,
Krähe hatte den Wurm gesehen,
pickte ihn und verschwand sogleich
im den oberen Glockenbereich,
um ihre Jungen anzulocken,
doch da fingen an die Glocken;
die Krähe kriegte einen Schreck,
der arme Wurm der fiel ihr weg,
landete so im hohen Gras
und war geplättet - ohne Spaß!
Mit der Zeit verging der Schmerz,
und wieder kam ein neuer März,
und wieder lebte die Krähe
in des Glockenturmes Nähe.
Hatte erneut den alten Wurm
im Schnabel und saß im hohen Turm,
als wieder anfing das Gebimmel,
beide schauten hoch zum Himmel,
das Wurmgetier gedachte der Pein,
kringelte sich im Schnabel ein,
um dem Absturz zu entkommen.
Der Krähe wurde plötzlich schlecht,
dem Regenwurm war das nur recht,
denn dieser Schnabel tat sich auf,
das Schicksal nahm nun seinen Lauf,
in die Tiefe ging die Reise,
in gewohnter alter Weise,
und wieder landete der Wurm
im hohen Grase unterm Turm.
Heringsliebe in der Nordsee
Ein Hering war am schwärmen
von seinem großen Schwarm,
im großen, großen Meere,
vom Hering mit viel Charme.
Er hatte glänzend' Augen
und einen gold'nen Schwanz,
die Schuppen rötlich silbern,
die Kiemen hell im Glanz.
Der Hering sucht seit Jahren
nach seiner Heringsfrau,
zieht durch Nordseewellen,
wurde ledern, grünlichgrau.
Man nennt ihn "Heringsalten",
verknallt in einen Fisch,
der längst schon wurd' gefangen,
gegessen an einem Tisch.
Wird's Schwärmen niemals lassen,
sein Herz ist voll der Lieb',
so sieht man ihn seit Jahren,
den Alten im Liebestrieb.
Mückenlied
Ich liege im Bett - so auf der Seite,
eine Mücke landet in voller Breite
auf meinem Ohr,
surrt innig mir das Mückenlied,
bevor sie stechend mich verläßt.
Ich liege im Bett - so auf dem Rücken,
eine Mücke krabbelt voll Entzücken
hinunter zum Bauch,
surrt innig mir das Mückenlied,
bevor sie stechend mich verläßt.
Ich liege im Bett - und warte
erneut auf das Mückenlied,
das Biest sich scheut
mich zu befallen,
sieht von weitem
der Hände Krallen,
flüchtet sich nach nebenan,
auf die Nase vom
schnarchenden Ehemann.
Steinforelle
Es schwimmt eine Forelle,
kommt kaum von der Stelle,
sieht wie andere springen,
ihr will es nicht gelingen,
schluckte früher einen Stein,
als sie jung war und noch klein,
seither liegt er schwer im Magen,
kann keine große Sprünge wagen,
sagt dann andern - die sie sehen:
"Ich bin schon wieder mal in Wehen!"
So ergeht es dieser Forelle,
kommt kaum von der Stelle.
Ameisenreise
Es schlich sich leise
eine Mann-Ameise
auf seine Weise
durch Schnee und Eise
zur Frau-Ameise
die ärgerlicherweise
am anderen Ende vom Eise
wohnte - neben dem Gleise.
Trotz Gefahrenhinweise
fortsetzte er seine Reise
zum Beweise
er könne in Schnee und Eise
laden zur Hochzeitsreise.
Stöhnte laut und mal leise
der verliebte Mann-Ameise
sah dann erstaunlicherweise
in der Ferne die Frau-Ameise
bat rufend in freundlicher Weise
um Begleitung zur Hochzeitsreise.
Sie stand neben dem Gleise
und seufzte ganz leise
zum Beweise
ihrer Liebe.
Entenmann
Ein alter Mann mit Tüte,
was ist da wohl drin?
Natürlich Entenfutter,
so geht die Zeit dahin!
Enten kommen geflogen,
gewatschelt und gerannt,
schnattern laut und kräftig,
Mann hat Brot in der Hand.
Möwen fliegen schneidig,
gierig frech im Sturz,
auf die Krümel nieder,
picken - bleiben nur kurz.
Ein Hund kommt angelaufen,
bellend - mit Wedelschwanz,
freut sich mit den Enten,
nur weiß man's nicht so ganz.
Wasserstelle
können Tiere kaum erwarten,
gehen gern zu Nachbarn hin,
haben dabei Bestimmtes im Sinn.
Da stehen Schalen und Teller,
und wenn die Sonn' wird heller,
werden die Spatzen munter,
fliegen zum Morgenbad runter.
Abends, wenn die Sonne sinkt,
so manch' andrer Wasser trinkt,
auch Nachbars Hund kennt die Stelle,
kommt vorbei auf die Schnelle.
Die Katzen warten im Versteck,
bis frei die Bahn, und alle weg,
schleichen durstig sich heran,
Vögel schlafen - Tagewerk getan.
Hasenliebe
Ein Hase sitzt im Grase,
denkt an die alte Geschicht',
als war er noch ein Häschen,
schlank und weniger Gewicht.
Da gab's die Hasenliebe,
die mit dem rundlichen Stert,
die mit den lust'gen Ohren,
die war eine Reise wert.
Er hoppelte durch Wälder,
durch Sträucher und hohes Gras,
fiel dabei auch ins Wasser
wurde zausig, pitschenaß.
Von weitem sah er sitzen
die Liebe vor'm Hasenbau,
nur diese wollt' er haben,
zu seiner einzigen Frau.
Sie grüßte ihn von vorne,
zeigte ihren dicken Stert.
Ja, das waren noch Zeiten,
und auch eine Reise wert!
Spinnenbeute
Die Spinne spinnt vorm Fenster,
spinnt so vor sich hin,
sie war noch gar nicht fertig,
da war'ne Fliege drin.
Die Spinne spinnt noch weiter
das Spinnennetz mit Müh',
es kommen weitere Fliegen,
schon dreie - bis zur Früh'.
Die Spinne breitet die Beine
um der Gefangenen Leib,
verspeist die dummen Fliegen,
und keine tut ihr leid.
Können Hasen Eier legen?
(Satire)
Zu Ostern sollte ein Hase
Eier legen ins Grase,
das sagte ihm ein junges Huhn,
solle aber ja nicht ruhn,
denn Hasen müssen Eier legen,
der lieben Kinderleinchen wegen.
Dem Hasen wurd' es jetzt zu bunt,
macht' es allen Hühnern kund,
daß Hasen keine Eier legen,
nur weil Menschen Bräuche hegen,
auch malen können Hasen nicht,
er bringe alles jetzt ans Licht;
denn jedes Jahr zur selben Zeit,
man nach Haseneiern schreit,
die aber nur die Hühner legen,
der lieben Kinderleinchen wegen.
Die Hühner konnten es kaum glauben,
daß Menschen ihre Eier rauben,
um dann allen noch zu sagen:
"Die Eier in Hasennestern lagen,
bemalen tun sie diese auch,
so sei es Osterhasenbrauch!".
Das Oberhuhn fing an zu gackern,
der Hase konnte nur noch schlackern
mit seinen übergroßen Ohren,
wurd' vor langer Zeit geboren,
rief recht laut und sehr empört:
"Liebe Hühner, hört, hört, hört,
ich sage euch an dieser Stelle,
hört gut zu und werdet helle,
es ist ein Märchen aus alten Zeiten,
hier und auch in anderen Breiten,
daß die Hasen Eier legen,
wird so erzählt,
der lieben Kinderleinchen wegen!"
Hühner-Emanzen
Im Hühnerstall gab's Radau,
zwischen Hahn und Hühnerfrau,
die ihn nicht lieben wollte,
drum sich zur Seite rollte,
um dem Gockel zu zeigen,
ich bin doch nicht dein Eigen.
Dieser Hahn sich empörte,
krähte laut, jeder es hörte,
Hühner kamen angerannt,
standen vor ihm ganz gebannt,
nur das Huhn vom Hühnerstall,
wollte kommen auf keinen Fall.
Sie war schlau - diese Emanze,
bat die Hühner her zum Tanze,
kamen alle schnell herbei,
Gockeles Macht war so vorbei.
Seither krähte dieser Hahn,
immerzu - fast wie im Wahn,
kein Huhn ließ sich mehr lieben,
so ist's bis heut geblieben.
Es war einmal
Es war einmal ein Geier,
der spielte auf der Leier,
es war einmal ein Uhu,
der schaute immer zuhu.
Es war einmal ein Käfer im Mai,
der saß auf einem Kuckucksei,
es war einmal ein Specht,
dem war das gar nicht recht.
Es war einmal eine Ziege,
lag meckernd in der Wiege,
es war einmal ein Pferd im Stall,
auf dem sang die Nachtigall.
Es war einmal eine alte Ratte,
die noch nie ein Männchen hatte,
es war einmal ein Pudel,
der aß so gerne Strudel.
Es war einmal eine Giraffe,
die klaute dem Wärter die Waffe,
es war einmal ein Stachelschwein,
das wollte nicht mehr stachelig sein.
Es war einmal ein müdes Gnu,
das mußte gähnen immerzu,
es war einmal eine Grille,
die zirpste nur mit Brille.
Es war einmal ein Bernhardiner,
der aß am Tisch mit einem Wiener,
es war einmal eine grüne Kröte,
die hörte gerne Bach mit Flöte.
So ginge es immer weiter,
auf der Fantasia-Leiter.