So war es Früher
Kinder gingen mit
zum Rummelplatz
sahen kleine Menschen
auf der Bühne stehen
davor die Lachenden
die bezahlten und hineingingen
zum Weiterlachen
die Kleinen hampelten
und zampelten
hatten keine andere Wahl
der Rummel ging weiter
die Sensationen auch
die Amüsierten schlenderten
vorbei an Buden mit Allerlei
und bunten Zuckerstangen
es gab so viel zu sehen
nur die traurigen Herzen
der Liliputaner
konnte keiner sehen.

Im Kinderhorte lagen sie,
wie eingedoste Sardinen,
zur Mittagsruhe kein Pläsier,
mit Blick auf die Gardinen.
Die gute Tante schaute umher,
kein Mucks wollte sie hören,
doch räusperte sich irgendwer,
gab es Klappse für die Gören.
Da lagen sie – die Kinderlein,
die lieben, süßen Kleinen,
eingewickelt in Deckelein,
mit strammgelegten Beinen.
Nur Rückenlage wurde gelieden,
so war es Sitte und Brauch,
Kinder angstvoll alles mieden,
auch das Jucken am Bauch.
Die Kleinen hatten keine Wahl,
zu streng war der Tanten Blick,
das Liegen wurde so zur Qual,
für lange der Kinder Geschick.

(Kinderseele nach dem Tsunami am 26.12.2004
an der Indonesischen Küste)
Die große Welle
entriss die Mutter
das Wasser trennte
ihre Umklammerungen
verzweifelte Schreie
Angst und Not
Verlassenheit
Schrecken
Unbegreifliches
steht seither
vor seinen
kleinen
Augen
trauernde Blicke
tauchen verloren
in eine leere
stumme
Welt.

(Kongo 2008)
Reismehl
rinnt auf
sandigen Boden
und eine
kleine Hand
sammelt eilig
die andere
hält das Kostbare
geborgen
angsterfüllte
Augen schauen
in die Kamera
der Fremden
dahinter
lösen sich
Tränen in die
trostlose Welt.

(Kinder unter 3 Jahren)
Ein Kindlein kommt
in diese Welt
erhält vom Staat
sogleich auch Geld
doch schon sehr bald
soll's zur Krippe
zu den andern
mit der Wippe
Fremde wechseln
geben den Brei
die Mama ist
vom Kindlein frei
muß derweil das
Geld vermehren
soll sich nicht dem
Staat verwehren
Die Zeit verging
Kindlein nun groß
saß nie wirklich
auf Mutters Schoß
Bindung fehlte
die Liebe auch
hoffentlich wird
das so
kein Brauch.

Staunende Augen
erleben Momente
Unwiederbringliches
prägt kindliches Verstehen
näht es in in den Saum
der Erinnerungen
hält es gefangen
für die Zeit
danach.

Liebe Kinder laßt euch sagen,
ein Mann kehrt ein in diesen Tagen
zu euch in das traute Heim,
geht ihm doch nicht auf den Leim,
denn er schleicht seit vielen Jahren
zu den nachbarlichen Scharen,
um die Kindlein zu beglücken,
trägt'nen Sack auf seinem Rücken,
will mit Gaben euch nur locken,
macht euch daher auf die Socken,
denn es ist der Nachbarsmann,
der keine Kinder leiden kann.
Mit Sack und Rute in der Hand
zieht er durch das ganze Land,
sucht nach bösen Kinderlein,
laßt ihn nie zu euch hinein,
will euch nur versohlen,
es ist der Nachbar Bohlen.
Liebe Kinder laßt euch sagen,
keiner darf euch Kinder schlagen,
auch nicht der weihnachtliche Mann,
der keine Kinder leiden kann.

Lang' ist's her,
als Unbekümmertheit
das Leben erfüllte.
Das Menschsein begann
wie im Garten die Knospe,
von Winden umweht
das Dasein spürbar machend.
Die Knospe
im Garten der Kindheit
wuchs heran, entfaltete sich,
Schönheit und Art formten sich,
öffneten sich für's Leben
in vielfältigem Miteinander
anderer Formen und Zwecke,
vom Weltenschöpfer erschaffen,
in gleichberechtigter Weise.
Lang' ist's her.
Es bleiben Erinnerungen - Sehnsüchte.
Klänge aus Kindertagen.

(Uganda)
Jeden Abend
wenn es dunkelt
laufen kleine Füße
verängstigt
in die Stadt
fliehen vor Häschern
marodierenden
Mörderbanden
Vergewaltigern
Plünderern
Jeden Morgen
wenn‘s erhellt
laufen kleine Füße
zurück aufs Land
ins tägliche Elend
fliehen
abends wieder
in den Schutz
der Stadt
Tag für Tag.

(Weltweit)
Kinder ohne Heimat
In einer großen Stadt
Gleiche, die sich finden
Werden nie ganz satt
Hausen in Straßenecken
Träumen von Geborgenheit
Sehnen sich nach Liebe
Doch wer ist dazu bereit?
Kennen Härte des Lebens
Vegtieren vor sich hin
Schnüffeln an Klebertüten
Ein Leben ohne Sinn
Kinder, die keinem gehören
Kinder, die keiner will
Kinder mit vielen Tränen
Kinder, die weinen still.
Was für ein Leben!

(Indien und Weltweit)
Armut ist das Übel
Treibt Eltern zum Verkauf
Ihrer kleinen Kinder
Elend nimmt seinen Lauf
Zwangsarbeit in Hütten
Kleine Kinder unter sich
Weben, fädeln, sticken
Und hausen fürchterlich
Gierige Herren schlagen
Seelen brechen entzwei
Kennen keinen Ausweg
Manche sind erst drei
Werden nur geschunden
Kaum einer kennt die Not
Der kleinen Sklavenkinder
Betteln täglich nach Brot
Sehnen sich nach Bildung
Und weinen in der Nacht
Auf schmutzig‘ alten Decken
Bis der Morgen erwacht
Können sich nicht wehren
Die kleinen Kinder weltweit
Zu mächtig Traditionen
Zwingen zur Kinderarbeit.

(Rumänien/Waisenhaus)
Verstoßen,
nicht verstanden,
Kinderherzen noch klein,
leben, vegetieren,
kein Besucher kommt herein.
Lumpen,
nur eine Mütze,
die Kälte nagt am Leib,
barfuß vergeht der Alltag,
für alle nur ein Weib.
Ein Napf
für viele Esser,
greifen mit kleiner Hand,
dumpfe Augen sehen,
Elend raubt den Verstand.

Als Kind sah ich vom Bette aus
den großen Elch vor mir,
der schritt durch Gras und Wälder,
bekannt als nordisch Tier.
Er trug stolz sein Geweihe
und röhrte in die Zeit,
und stand so Jahre stille
für mich in der Kinderzeit.

Welch ein Schmerz
berührt die Seele,
die das Unfaßbare
nicht fassen kann
beim Anblick der Kinder,
die verlenkt werden,
die benutzt werden,
die geknechtet werden,
ihrer Kindheit beraubt
werden für Zwecke
von Krieg und Gewalt.
Gehorsame kleine Augen
sehen nach rechts,
sehen nach links
Kinder
stehen stramm mit
gerichtetem Gewehr,
üben den Krieg
gegen die Großen.
Welch ein Leid in unser Zeit!